Schüleraustausch der Schefflenztalschule in Agendorf 2016

Früh aufstehen hieß es am 02. Mai für 20 Schülerinnen und Schüler aus der Schefflenztalschule. Noch vor sieben Uhr trafen sie sich in Schefflenz für die bevorstehende zehnstündige Busfahrt nach Agendorf. Am Steuer saß, wie bereits beim letzten Schüleraustausch, Sven Scheuffler, der unsere Gruppe in Begleitung von Rektorin Gesine Six, Corina Kiefer und Markus Hebestreit in rekordverdächtiger Zeit souverän bis in die Schefflenzer Partnergemeinde chauffierte.

Obwohl unsere Reisegruppe deutlich früher als erwartet ankam, waren bereits einige Gasteltern mit ihren Kindern und die Schulleiterin Christa Czernus vor Ort und hießen die Gäste herzlich willkommen. Für viele Schüler war es die erste Begegnung mit ihren Austauschpartnern, einige waren schon zum wiederholten Male dabei und freuten sich über das Wiedersehen.

Nach dem ersten Abend bei den Familien ging es am zweiten Tag sogleich zusammen auf große Fahrt: Mit der Bahn nach Györ, wegen Gleisbauarbeiten zunächst per Schienenersatzverkehr bis Kapuvár, dann mit der Raaberbahn bis ans Ziel. Überraschend war dabei der Kontrast zwischen der alten eingleisigen Bahnstrecke mit einfachen Haltestellen und den supermodernen Zügen der Bahngesellschaft – inklusive WLAN an Bord. Es sei nur am Rande erwähnt, dass kaum ein Schüler von der vorbeirauschenden Landschaft Notiz genommen hat - Gratis-WLAN ist ja viel spannender… Beim Rundgang durch die Stadt zeigten sich ebenfalls interessante Kontraste: Gegenüber einigen mächtigen Plattenbauten steht das monumentale Rathaus im neobarocken Stil. Unser Ziel war wiederum modern: Mobilis (Audi), das interaktive Ausstellungszentrum mit einer Vielzahl von Vorführungen und Experimenten zum Themenbereich Bewegung und Verkehr. Mitmach-Stationen luden ein, physikalische Phänomene selbst auszuprobieren und zu erleben: Ein großes Vergnügen für alle. Für den anschließenden großen Hunger hatte Christa für uns Plätze in der Mensa der benachbarten Technischen Universität reserviert. Am Nachmittag hatten die Schüler Gelegenheit, die Innenstadt in kleinen Gruppen selbst zu erkunden. Ziele waren zumeist Mc.Donald´s, H&M … eben alles, was aus Schülersicht eine Stadt interessant macht. Zurück in Agendorf war der Abend wieder den Gastfamilien gewidmet. Viele von ihnen trafen sich auf dem örtlichen Sportplatz und hatten Spaß bei Spiel und Unterhaltung.

Unser Ausflugsziel am zweiten Tag war der Balaton. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir die See-Höhle in Topolcar. Mitten in der transdanubischen Kleinstadt betritt man ein unauffälliges Haus. Doch dieses hat es in sich: Auf zwei Stockwerken befindet sich eine interaktive Ausstellung zu geographischen Besonderheiten der Region. Sie besteht zu weiten Teilen aus Karbonatgestein. Durch Lösungsverwitterung ist eine Karstlandschaft entstanden. Neben dem lösungsfähigen Gestein muss ausreichend Wasser vorhanden sein. Diese beiden Bedingungen sind hier erfüllt: Sie tragen zum Entstehen der heute nur 20 Meter unter der Ausstellung zugänglichen, mit Wasser gefluteten Höhle bei. Wir konnten diese atemberaubenden und stimmungsvoll in Szenen gesetzten Gewölbe mit Ruderbooten erkunden. Ein unvergleichliches Erlebnis für Schüler und Lehrer. Unsere Fahrt an den Balaton endete an einem Bootsanleger, doch stürmische Böen, aufgewühltes Wasser und 11° C Lufttemperatur lockten nicht einmal die Enten aus dem Schilf, an eine Schifffahrt war nicht zu denken. Stattdessen genossen wir die wunderbare Uferlandschaft aus dem windgeschützten Bus heraus, unterbrochen von einem kurzen Halt in Keszthely. Dort gab es Gelegenheit das prunkvolle Schloss Festetisc, das drittgrößte Ungarns, zu besichtigen.

Mit einem von Christa geleiteten Rundgang durch Agendorf begann unser dritter Tag des Austauschs. Eine bedeutsame Station war das Heimatmuseum in der Berggasse. Es handelt sich um das Elternhaus des Museumsgründers Andreas Böhm. In seiner Form repräsentiert es die typische Bauweise vieler alter Häuser im Dorf: Mit dem Giebel zur Straße hin wurde zunächst ein kleines Gebäude errichtet. Die nächste Generation der Familie baute von der Straße weg direkt dahinter, es folgte eine Werkstatt oder ein Stall und am äußersten Ende des Grundstücks der Garten. Das Museum beherbergt eine vielfältige Sammlung aus Objekten der Alltagskultur, von Möbeln über Textilien, historischen Fotos bis hin zum Inventar einer Schreinerei, einer Schuhmacherwerksatt und landwirtschaftlichem Gerät. Sogar ein historisches Feuerwehrfahrzeug hat dort seinen Platz gefunden. Wir Besucher konnten einen lebendigen Einblick in die Vergangenheit des Dorflebens gewinnen. Nach einem Besuch in der Schule mit Mittagessen in der Mensa, verbrachten wir den Nachmittag in Sopron. Zunächst auf der Sommer-Bobbahn oberhalb der Stadt: Für die Schüler war die Fahrt ein Riesenspaß, dicht gefolgt von den dort aus Automaten angebotenen Eisgetränken in diversen Neonfarben… Anschließend ging es dem Ruf der Schüler folgend in ein großes Einkaufszentrum am Stadtzentrum: Shopping! Schon war der Abend des letzten Reisetages angebrochen. Unsere Gastgeber stellten im Schulhof Tische und Bänke auf, für die Kinder gab es sportliche Wettbewerbe. Der Grill wurde vorbereitet und ein reichhaltiges Sortiment an Grillspezialitäten, Kuchen, Wein und weiteren Spezialitäten gereicht. Bürgermeisterin Zsuzsanne Pèk kam auf einen kurzen Besuch vorbei und die Schefflenzer Gäste überreichten einen Klassensatz Jugendbücher für den Deutschunterricht. Für Rektorin Gesine Six war es der letzte Schülersautausch in ihrer Eigenschaft als Schulleiterin. Christa Czernus und ihre Kollegen würdigten die über viele Jahre gewachsene enge Verbindung in gebührendem Rahmen und überreichten eine Zeichnung des Heimatmuseums.

Freitag war bereits der Tag unserer Abreise. Die ungarischen Lehrer, Schüler, deren Familien und unsere Schüler versammelten sich ein letztes Mal für ein Gruppenfoto und zum herzlichen Abschied an der Schule. Nach zügiger Fahrt, unterbrochen nur von „Mc. Donald´s“-Rufen vieler Schüler erreichten wir am späten Nachmittag wieder Schefflenz.

Text: M. Hebestreit